Als die portugiesischen Seefahrer im 15. Jahrhundert Kurs auf die Azoren nahmen, fanden sie unbewohnte Inseln vor, die mit dichten immergrünen Wäldern bedeckt waren. Mit der Besiedlung begann sich das Landschaftsbild durch die Anlage von Acker- und Weideland radikal zu verändern. Nur etwa 5% der Azoren, zumeist unwegsame Bergregionen, steile Talschluchten und unzugängliche Kraterkessel, sind heute noch mit der heimischen Vegetation bedeckt. 56 Pflanzenarten sind auf den Azoren endemisch, kommen also von Natur aus nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt vor. Erwähnenswert ist außerdem die große Anzahl an Moosen, insgesamt rund 425 verschiedene Arten.

In der Küstenzone (bis 300 m Meereshöhe), die zugleich der für den Menschen klimatisch zuträglichen Siedlungszone entspricht, haben zahlreiche in jüngster Zeit eingeführte Arten die endemische Vegetation weitgehend verdrängt. Von Natur aus gedeiht hier der Makaronesische Gagelbaum (Myrica faya, port. faia), ein immergrüner Baum mit essbaren, schwarzen runzligen Früchten. Er ist heute durch den aus Australien stammenden Klebsame (Pittosporum undulatum) bedroht, der vermutlich auf die Azoren gebracht wurde, um die Orangenplantagen durch Baumhecken vor Wind zu schützen. Der Klebsame ist heute in der Küstenzone eingebürgert, wo er auf weiten Flächen bis 500 m Meereshöhe das Landschaftsbild prägt.

Die natürliche Vegetation der Azoren in der feuchten Wolkenzone (oberhalb 500 m) wird von Lorbeer (Laurus azorica, port. louro), Wacholder (Juniperus brevifolia, port. cedro-do-mato) und Baumheide (Erica azorica, port. urze) bestimmt. Diese endemischen Arten bilden dichte strauchige Wälder, die sehr reich an unterschiedlichen Moosen sind. Durch Holzeinschlag und Anlage von Weideland wurde dieser einzigartige Lorbeer-Wacholder-Nebelwald stark dezimiert. Größere Restbestände finden sich noch auf São Miguel, Pico und Terceira. Vor etwa 300 Jahren auf die Azoren gebracht wurde die mit der Avocado verwandte und auf den Kanaren beheimatete Indische Persea (Persea indica, port. vinhático). Man schätzte den Baum, der oberhalb 200 m Höhe gedeiht, wegen seines schönen rotbraunen Holzes, das an Mahagoni erinnert.

Zahlreiche von den Menschen eingeführte fremdländische Arten, die im feuchtwarmen Klima der Azoren bestens gedeihen, sind inzwischen zu einer Bedrohung der heimischen Pflanzenwelt geworden. Die Girlandenblume (Hedychium gardneranum), ein aus dem Himalaya stammendes Ingwergewächs, breitet sich durch Rhizombildung unglaublich stark aus und unterdrückt jeden anderen Pflanzenbewuchs auf der Höhenstufe des Nebelwaldes. Zur Blütezeit ab Ende Juli bieten die großen, duftenden gelben Blüten einen wunderschönen Anblick, der die ökologische Problematik fast vergessen lässt. Übrigens: Wenn man eine der langen Blütenähren aus der Blütendolde zupft und den Blütenstengel aussaugt, schmeckt man das köstliche honigsüße Ingweraroma.

Umfangreiche Aufforstungen finden seit 1860 mit der aus Japan eingeführten Sicheltanne (Cryptomeria japonica) statt, einem schönen, rasch wüchsigen Nadelbaum mit rötlicher Borke, dessen Nadelteppich allerdings andere Pflanzen nachhaltig unterdrückt. Von diesem kommerziell wichtigsten Baum werden durchschnittlich 250.000 Exemplare pro Jahr gefällt und mehr als doppelt so viele wieder aufgeforstet. Ebenfalls aus Japan stammt die längst zur Charakterpflanze der Azoren avancierte Hortensie (Hydrangea macrophylla). Zur Blütezeit ab Juni bilden die zur Begrenzung von Viehweiden angepflanzten Hortensienhecken einen prachtvollen Anblick.

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